Umzugsratgeber

Wer als Empfänger von ALG II umziehen muss, oder möchte, ist in der Regel auf die Hilfe des JobCenters angewiesen. Hier wird leicht verständlich erklärt, was zu beachten und wie vorzugehen ist. Grundlagen sind die §§ 22, 42a SGB II.

[stextbox id=“info“]1. Man muss umziehen, weil das JobCenter zur Senkung der Kosten der Unterkunft aufgefordert hat.[/stextbox]

Liegt diese Aufforderung vor, so muss das JobCenter die Kosten für die Wohnraumbeschaffung übernehmen.
Was genau bedeutet das?

  • Zeitungen, gekauft wegen der Immobilieninserate, müssen bezahlt werden.
  • Selbst eingestellte Inserate zur Wohnungssuche müssen bezahlt werden.
  • Ist für die Beschaffung einer Wohnung ein Makler nötig, weil der Wohnungsmarkt angespannt ist, so ist auch dieser bei Erfolg zu bezahlen.
  • Der Umzug ist zu bezahlen. Hier arbeiten die JobCenter sehr gerne mit Pauschalen, die in der Regel kaum reichen. Machen Sie Ihrem Sachbearbeiter klar, dass Sie durch Hartz IV Ihre Freunde verloren haben, und selbst nicht in der Lage sind, den Umzug durchzuführen. Auch mangelnde Fahrpraxis für größere Fahrzeuge ist ein Grund. Ebenso die fehlende Haftpflichtversicherung der Helfer. Bestehen Sie auf einen ordentlichen Umzug mit einer günstigen Firma. Legen Sie 3 Angebote vor.
  • Können Sie alleine umziehen, so beantragen Sie Geld für einen Mietwagen, Treibstoff, Helfer, Kartons.
  • Die Kaution muss ebenfalls von dem JobCenter bezahlt werden, allerdings nur als Darlehen (sofern kein Vermögen eingesetzt, oder anderweitig Geld beschafft werden kann). Dieses wird monatlich mit 10% vom Regelsatz aufgerechnet. Bitte beachten Sie hierzu § 42a SGB II.

 Bevor Sie jedoch umziehen können, ist einiges zu beachten.

  • Die neue Wohnung muss natürlich in Preis und Größe (spielt bei einigen Kommunen keine Rolle) angemessen sein. Was angemessen ist, bestimmt erst einmal das zuständige JobCenter. Also erst genau erkundigen, schriftlich.
  • Haben Sie die passende Wohnung gefunden, verlangt das JobCenter die Vorlage des Mietvertrages zur Überprüfung. Erst wenn das JobCenter schriftlich die Kostenübernahme bestätigt, können Sie den Mietvertrag unterschreiben und den Umzug in die Wege leiten.
  • Ihre alte Wohnung hatte eine Einbauküche, die zur Wohnung gehörte, die neue Küche ist leer, oder bietet nur eine Spüle? Kein Problem. Stellen Sie einen Antrag auf Erstausstattung und fügen Sie eine detaillierte Liste der benötigten Ausstattungsgegenstände auf.

Gleiches gilt auch für andere Einrichtungsgegenstände, die benötigt werden. Evtl. gab es in der alten Wohnung einen Einbauschrank in Schlafzimmer? Im Keller eine Waschküche mit Waschmaschine, die zur Mietsache gehörte? Auch hier können Sie einen Antrag auf Erstausstattung stellen.

[stextbox id=“info“]2. Man muss umziehen, weil es einen wichtigen Grund gibt.[/stextbox]

Was ist ein wichtiger Grund? Ein wichtiger Grund kann z.B. sein:

  • Arbeitsaufnahme
  • Scheidung, Trennung
  • Bildung einer Ehe oder Partnerschaft
  • Gewalt
  • Unbewohnbarkeit der Wohnung durch höhere Gewalt, Feuer, Wasser, Baufälligkeit.
  • Dokumentierte Auseinandersetzungen mit Mietern oder Vermietern, die ein friedliches Miteinander unmöglich machen.
  • Krankheit, verursacht oder begünstigt durch die Wohnumstände, die nicht zu beseitigen sind. Fluglärm, Kneipe oder Disco im Haus, keine Nachtruhe. Dadurch schwere Schlafstörungen, etc. belegbar durch ärztliche Attests.

Liegt ein wichtiger Grund vor, so ist ein Antrag auf Umzug zu stellen und ansonsten wird wie bei Punkt 1. verfahren.

[stextbox id=“info“]3. Man will umziehen, weil man ein anderes Umfeld wünscht, dichter bei Bekannten, Verwandten oder Freunden leben möchte.[/stextbox]

In einem solchen Fall zahlt das JobCenter weder Umzug, noch Kaution. Auch Erstausstattung wird dann nicht gewährt.

Zu beachten ist unbedingt, dass die neue Wohnung angemessen in Preis und Größe ist, sowie die alte Miete unter keinen Umständen überschritten werden darf. Das JobCenter zahlt sonst nur die Kosten der Unterkunft in Höhe der alten Miete! Dies gilt selbstverständlich nur dann, wenn sie Innerhalb des Geltungsbereiches der Richtlinien Ihrer Kommune, Gemeinde, Stadt, Landkreis umziehen. Bei Zuständigkeitswechsel, z.B. Umzug in ein anderes Bundesland, gelten selbstverständlich die Höchstgrenzen der Angemessenheit.

Eine Genehmigung für einen solchen Umzug benötigen Sie nicht.

  [stextbox id=“info“]4. Umzug von so genannten U25 („Jugendlichen“, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben).[/stextbox]

Wer in diese Gruppe fällt und noch bei seinen Eltern wohnt, darf grundsätzlich nicht ausziehen. Sollten Sie sich dennoch für einen Auszug ohne wichtigen Grund entscheiden, so erhalten sie lediglich 80% des Regelsatzes, mehr nicht. Die Kosten der Unterkunft werden nicht übernommen.

  • Wichtige Gründe für einen Umzug wären die unter Punkt 3. genannten, sowie Zerwürfnis mit den Eltern (dokumentiert durch z.B. Polizei, Jugendamt, Familienhilfe).
  • Schwangerschaft
  • Aufnahme einer Ausbildung
  • Ehe, Partnerschaft

Wird einem Umzug zugestimmt, so ist die Erstausstattung (§ 24 SGB II) für die gesamte Wohnung zu beantragen. Dazu gehören alle Haushaltsgeräte, vom Wasserkocher bis zur Waschmaschine ebenso, wie Geschirr, Besteck, Kochtöpfe, Pfannen, Handtücher, Wäsche, Bekleidung, Lampen, Vorhänge, Schränke, Tisch Stühle, Bett etc. Also die Liste für den Erstausstattungsantrag so detailliert wie möglich erstellen. Die Bedürftigkeit wird vor Ort geprüft!

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