Bewerbungsmotivation ???

curriculum

Wann ist genug genug?

Ich kann Euch sagen, ich schreibe überdurchschnittlich viele Bewerbungen und werde ab sofort damit aufhören. Die Masse macht’s nicht, soviel ist sicher. Wahrscheinlich dachte ich, mehr hilft mehr und kam mir dabei nicht so wahnsinnig untätig vor.

Ich gehöre leider zu denen, die während Arbeitslosigkeit keine Ruhe finden… keine halbe Stunde kann ich einfach mal nur ein Buch lesen oder in die Badewanne oder oder oder, ständig trage ich ein schlechtes Gewissen mit mir herum, denn eigentlich könnte ich ja gerade arbeiten und fühle mich nahezu so, als würde ich es gar nicht wollen und irgendjemand säße ständig in meinem Nacken und bezeichnete mich als faul. 

Zudem kommt bei wenigen, aber dafür sorgsam ausgewählten Bewerbungen die Angst dazu, dass man sich aufgrund des Überblicks, den man dann hat, zu große Hoffnungen auf die ein oder andere Stelle macht und es wie immer nichts wird. Davon mal ganz abgesehen, dass ich mittlerweile eine regelrechte Phobie vor den ganzen heuchlerischen Stellenangeboten habe. (Nicht selten verbirgt sich ja hinter dem „Datenerfasser in Festanstellung“ der selbständige Finanzberater nach Schneeballprinzip oder hinter der „Bürotätigkeit“ ein Call Center, welches darauf spezialisiert ist, Omas am Telefon NKL Lose zu verkaufen.)

Desweitern habe ich den Eindruck, die Angebote bestehen mittlerweile fast ausschließlich aus Zeitarbeitsfirmen und unseriösen Arbeitsvermittlern, die einem das Blaue vom Himmel versprechen (Teilzeittätigkeiten mit festen Arbeitszeiten und überdurchschnittlichem Gehalt), wohinter sich dann Vollzeitjobs im Schichtdienst bei einer 42- Stunden – Woche verbergen, wovon einem aber nur 35 bezahlt werden und man das Ganze für ein Monatsgehalt von 700 Euro netto dankbar annehmen soll.

Weiter geht es dann mit erniedrigenden Vorstellungsterminen, in denen Arbeitgeber sich einem übergeordnet fühlen und nicht begreifen, dass es nicht darauf ankommt, ob er einen haben will, sondern ob man sich gegenseitig haben will. Als Bewerber fühle ich mich in vielerlei Hinsicht einfach pauschal an der Nase herumgeführt und erniedrigt. Wann und wie ist es wohl dazu gekommen, dass potentielle Arbeitnehmer auf Jobsuche von Firmen wie auch dem Staat als untergeordnete Menschen betrachtet werden?

Wie ihr seht.. mich regt das alles auf und von Zeit zu Zeit führen diese Gedanken dazu, dass ich regelrecht blockiert bin. Nicht nur im Bewerben, sondern auch  sonstigen alltäglichen Dingen, die dazugehören. Manchmal bleibt hier tagelang einfach alles stehen und liegen, weil ich gar nicht mehr weiß, an welcher Stelle in der Gesellschaft ich mich noch sehen soll, wenn man schon nach Meinung des Staates nichts wert ist, dementsprechend von diesem wie auch von Arbeitgebern so behandelt wird?

Ob meine Gefühle und mein phasenweises Verhalten wohl bereits einer Depression gleichen? Ich weiß es nicht… Aber es ärgert mich, dass ich von meiner Lage wie auch den daraus resultierenden äußeren Einflüssen schon so eingenommen bin, dass ich mich nicht mehr frei fühle, sondern wie frei verfügbares Staatseigentum.

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