Glücklichsein ist alles, was man zum Leben braucht.

FriendshipWeiß ja jeder. Na, nicht ganz jeder. Und da fängts eigentlich schon an. Weil Glück so wichtig ist, ist es inzwischen käuflich geworden. Nicht das Glück selbst, aber das Versprechen.

„Trinke diesen Kaffee und du wirst glücklich“, „Fahre jenen Reifen, und du wirst glücklich – vor allem in Kurven“, „Schaue diese Serie und du wirst glücklich“ … kurzum: besorge Dir alles Geld was du kriegen kannst und das Glück liegt vor der Tür.

So trommelt die Werbeindustrie nach einem halben Jahrhundert auf uns ein.

Man stelle sich vor, die hätten gelogen? Was für ein Skandal. Wir hätten eine ganze Generation ins Unglück geschickt. Für die Rendite von ein paar Menschen, die dadurch auch nicht glücklich werden.

Denn das sickert nun langsam an die Oberfläche: Geld macht nicht glücklich.

Ökonom über Geld und Glück: Warum sich reiche Menschen mehr Sorgen machen

 

Wenig Geld – wenig Sorgen, viel Geld – viele Sorgen?

Na, dann haben wir ja ein Jahr vor uns, das viel Glück verspricht, denn Geld … ist wenig da.

Es gibt ja nun auch Glücksforschung … die allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Glück scheint sehr langweilig zu sein.

Eine Untersuchung des Glücksforschers David Myers zur Anzahl bestimmter Artikel in den „Psychological Abstracts“ aus den Jahren 1987 bis 2000 ergab 70.856 Artikel über „Depressivität (Depression)“, 57.800 Artikel über „Angst (Anxiety)“, 8.072 Artikel über „Ärger (Anger)“, aber nur 5.071 Artikel zu „Lebenszufriedenheit (Life Satisfaction)“, 2.958 Artikel zu „Glücklich sein (Happiness)“ und 851 Artikel zum Thema „Freude (Joy)“.

http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/psychologie.htm

Man sieht: der Psychologe arbeitet generell einkommensorientiert. An glücklichen Menschen verdient er nichts, die sind uninteressant. An Glücksverbreitung dürfte er rein ökonomisch kein Interesse haben, denn dann wäre er arbeitslos.

Kinder sind oft sehr glücklich. Je kleiner, umso glucksender. Und ihr Glück ist sehr ansteckend.

„Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich“ sagte eins ein wichtiger Mann der westlichen Kultur, den man aus lauter Glück und Freude meistens als Leiche millionenfach über das Land verteilt.

Himmelreich hört sich auch gut an, so wie die „seeligen Lande“, die „ewigen Jagdgründe“ und ähnliche Orte, wo das Glück einfach so von selbst kommt. Ohne große Arbeit.

Kinder arbeiten enorm viel. Gucken lernen, laufen lernen, sprechen lernen … noch heute weiß die Wissenschaft nicht, wie die kleinen Dummköpfe diese gigantische Leistung hinkriegen. Und haben dazu noch einen Riesenspaß daran.

Wenn wir das alle könnten … die Erde wäre ein Himmelreich. Sofort, ganz schnell. Sechs Milliarden Menschen würden ihre Arbeits- und Verstandeskraft einsetzen, um innerhalb von zehn Jahren den ganzen lebensgefährlichen Müll beiseitezuräumen … singend, lachend, liebend und tanzend bei der Arbeit.

Wäre doch nichts gegen einzuwenden, oder? Wer bräuchte da noch die Maslowsche Bedürfnispyramide, die abzuarbeiten seit fünfzig Jahren unser Lebensziel ist?

Ja, der Herr Maslow. Seine Pyramide erfüllt vor allem einen Zweck: sie hält die Menschen davon ab, in einen Zustand zurückzukehren, den sie nur allzugut kennen: jeder war mal Kind. Diese kleinen glucksenden Mäuschen stecken irgendwo noch in uns, diese kleinen wackelnden Wunder, für die alles in der Welt ebenfalls ein Wunder ist: wunderbare Welt, möchte man sagen.

Schauen wir uns mal seine Pyramide an.

  1. Körperliche Existenzbedürfnisse: Atmung, Schlaf, Nahrung, Wärme, Gesundheit, Wohnraum, Sexualität, Bewegung
  2. Sicherheit: Recht und Ordnung, Schutz vor Gefahren, festes Einkommen, Absicherung, ein Dach über dem Kopf
  3. Soziale Bedürfnisse (Anschlussmotiv): Familie, Freundeskreis, Partnerschaft, Liebe, Intimität, Kommunikation
  4. Individualbedürfnisse: Höhere Wertschätzung durch Status, Respekt, Anerkennung (Auszeichnungen, Lob), Wohlstand, Geld, Einfluss, private und berufliche Erfolge, mentale und körperliche Stärke
  5. Selbstverwirklichung: Individualität, Talententfaltung, Perfektion, Erleuchtung

(Weitere Erläuterungen auf Wikipedia)

 

Atmung, Nahrung, Wärme, Schlaf. Das ist notwendig, sonst geht der Mensch kaputt. Muß auch nicht schlimm sein oder zum unglücklichsein führen (wer Kinder beobachten kann, merkt schnell, das die oft so versunken sind das sie einen Mangel an Wärme, Schlaf und Nahrung kaum bemerken), aber macht irgendwann das Licht aus. Sollte man also berücksichtigen.

Aber der Rest?

Nun … es geht ja hier auch nicht um Glück. Es geht um Bedürfnisse. Die man am sichersten dadurch befriedigt, das man sie abschafft, denn ansonsten … strampelt man sich die ganze Zeit sinnlos und glücklos ab. Genau genommen würde ich sagen: hier werden Sozio- und Psychopathen gezüchtet. Aber der Mensch an sich … ist nicht so.

„Ich kann doch nicht glücklich werden, wenn mich die ganze Welt haßt, ich arm und unbekannt auf der Straße leben!“ empört sich nun der Bürger.

Doch dem läßt sich schnell entgegnen: „Bist Du glücklich, interessiert dich nicht, was die Welt von Dir hält … du könntest sie alle trotzdem umarmen, auch wenn sie Dich nicht kennen und dein Aktienportfolio nicht der Rede wert ist.“

Man sollte die Pyramide einfach mal auf den Kopf stellen: was wäre mir von all dem noch wichtig, wenn ich glücklich in meiner Hängematte hänge?

Bin ich aber glücklich … dann kann ich nicht nur die Pyramide, sondern sogar die ganze Welt auf den Kopf stellen.

Darum ist Revolution wohl nur was für glückliche Menschen. Nicht, das sie sie brauchen würden. Aber sie können sie durchführen, weil sie nicht auch noch die Bedürfnispyramide wie einen Klotz am Bein haben.

Man stelle sich vor, Che Guevarra hätte sich erst noch ein Eigenheim erarbeiten wollen und einen sozialen Status beim Golfclub sowie eine Reihe von Versicherungen, die seinen Lebensstil absichern. Also … so geht das nicht.

Der Unglückliche sitzt alldieweil lieber in seinem Kämmerchen und hadert mit seinem Schicksal. Doch dort wird er es nicht ändern können. Aber darum arbeitet er gerne die Bedürfnispyramide ab … aus Angst davor, das es ihm noch schlimmer gehen könnte – und in der Hoffnung, etwas Glück zu erhaschen.

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