Teure Billigjobs

Rich and Poor Serving Inequality

Rich and Poor Serving Inequality

„Die Wirtschaft nützt uns allen!“ Das jedenfalls behaupten gewisse schwarz-gelbe Politclowns. Entweder ist das eine vorsätzliche, dreiste Lüge oder aber ein Anzeichen von abgrundtiefer Dämlichkeit. Oder mit „uns allen“ sind bloß bestimmte Politiker auf gewissen „Lohnlisten“ gemeint. Wie auch immer.

Die SPD hat seinerzeit den Weg für Dumpinglöhne freigemacht und jetzt einen diese Richtung verkörpernden Hardliner zum Kanzlerkandiaten gekürt – auch ein Weg zur Selbstabschaffung. Einen, der „gewisse Nebeneinkünfte“ hat, die so „niedrig“ sind, das sie nicht im Detail deklariert werden müssen und jeweils für sich betrachtet „nur“ rund zwei Jahresgehälter eines Minijobbers ausmachen. Davon aber verdammt viele.

Und Schwarz-Gelb hat die Vorlage der Billiglohnjobs begeistert aufgenommen und konsequent fortgeführt. Das ist wie ein Fußballspiel mit zwei Mannschaften, die ohne Schiri und Tor beide auf der gleichen Seite mit einem Ball für jeden spielen: Einfach nur unglaublich sinnentleert und totlangweilig.   

Fakt ist jedenfalls, dass die Billigjobs immer mehr zunehmen, während es an regulären, SV-pflichtigen Jobs mit vernünftiger, leistungsgerechter Bezahlung immer mehr mangelt. Fakt ist auch, dass eben dadurch der Staat keine Steuern mehr einnimmt. Die Verschuldung wächst; die Kaufkraft im Binnenmarkt geht den Bach runter; der einstmals starke Mittelstand, der auf Kaufkraft angewiesen ist, schrumpft dramatisch. Hinzu kommt, dass mangels eines gesetzlichen Mindestlohns – wie er in anderen Ländern gang und gäbe ist – immer mehr Minijobber gewungen sind, mit Hartz-IV aufzustocken. Das kostet den Staat gleich dreifach: Keine Steuern mehr, dafür Ausgaben und keine Rentensicherung. Teure Billigjobs! Das Geld scheffeln andere. Eine altbekannte Geschichte, angerührt von Schröder und Clement. Hauptsache, die haben ihre Schäfchen im Trockenen.

Und jetzt – ja, obwohl ich da selbst Mitglied bin, kritisiere ich hier ganz bewusst – hat sich die IGM dieser Thematik angenommen. Auf einmal! Welch Wunder! Vorher wusste die Gewerkschaft offensichtlich von nichts – Vogel-Strauss-Politik oder so. Ich meine, es ist wirklich zu begrüßen, wenn die IGM jetzt endlich mal aufwacht. Vielleicht kann sie ja doch noch etwas bewirken, obgleich ich das für längst zu spät halte. Weil der Zug schon vor Jahren abgefahren ist. Oder aber – man wird sich ja wohl noch so seine Gedanken machen dürfen – kann es sein, dass aufgrund von zunehmenden Dumpinglohn-Jobs die Gewerkschaftskassen allmählich dahinschmelzen und man sich deswegen jetzt für die Minijobber engagiert? Das man die als Mittel zum Zweck entdeckt hat? Ich mein‘ ja nur …

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